President Blood Of Your Empire Music

President im Interview: „Die Persona gibt mir die Erlaubnis, weniger vorsichtig zu sein“

President haben mit Blood Of Your Empire vor kurzem ihr Debütalbum veröffentlicht. Wir haben mit der Band über die Platte und die Persona hinter dem Projekt gesprochen.

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Bild: President [Jonathan Weiner, Offizielles Pressefoto]

Mit Blood Of Your Empire haben President vor kurzem ihr Debütalbum veröffentlicht. Schon der Titel klingt nach großen Themen: Macht, Religion, Geschichte, Verfall. Dahinter steckt allerdings keine komplett erfundene Welt, sondern vielmehr ein Blick auf unsere eigene Realität und auf die persönlichen Konflikte, die damit einhergehen.

In unserem Interview sprechen President darüber, wie aus einer ersten Piano-Idee plötzlich ein House-Track werden konnte, warum das Gefühl eines Songs wichtiger ist als einzelne Sounds und welche Rolle die Persona hinter dem Projekt spielt.

President: Zwischen Person und Persona

President treten anonymisiert auf und halten ihre Identität geheim. Eine Entscheidung, die Fluch und Segen zugleich sein kann, wie auch andere Bands in der Vergangenheit erfahren mussten. Sleep Token, Slipknot (in den frühen Jahren) und mehr: Sie alle haben festgestellt, dass mit der Anonymität auch Schattenseiten kommen. Doch eine der spannendsten Facetten von President ist die Frage, wo die eigentliche Person hinter dem Projekt aufhört und die Persona beginnt. Gibt es Dinge, die man als President sagen kann, die man privat vielleicht nicht aussprechen würde? Die Antwort darauf ist ziemlich eindeutig: definitiv, wie uns das Mastermind President hinter dem gleichnamigen Projekt mitteilt.

“Das Komische an dieser Persona ist, dass sie mir irgendwie erlaubt, weniger vorsichtig zu sein. Es gibt Themen auf dieser Platte, über die ich selbst mit Menschen, die mir wirklich nahestehen, nur schwer reden konnte. Und trotzdem kann ich sie in einen President-Song packen und damit vor Tausenden von Leuten auf der Bühne stehen. Diese Figur schafft natürlich eine gewisse Distanz, aber das, was ich darin sage, kann brutal persönlich sein.”

Blood Of Your Empire: Eine Welt, die eigentlich unsere ist

Auch Blood Of Your Empire bewegt sich zwischen großen, fast schon dystopischen Bildern und sehr persönlichen Themen. Dabei sollte man das Album allerdings nicht als komplett eigenständiges Universum mit eigenen Regeln verstehen. Die Welt, von der President erzählen, ist letztlich auch unsere.

“Das Album ist im Grunde ein Tagebuch aus dem Inneren dieses Konflikts”, so der Sänger. “Es ist ein Ort, an dem Glaube wunderschön, aber auch zerstörerisch sein kann, an dem die Menschen nach Gewissheit suchen und trotzdem mit Zweifeln leben, und an dem Macht immer wieder dazu neigt, die Dinge zu korrumpieren, die wir erschaffen, um unserem Leben einen Sinn zu geben.”

Wenn aus einer Piano-Idee plötzlich ein House-Track wird

Dabei halten sich President musikalisch wie lyrisch an keine Grenzen. Nur ein Grund, weshalb das britische Kollektiv eine breite Masse an Musikhörer:innen anspricht. Wie weit sich dabei sogar ein Song während des Schreibprozesses verändern kann, zeigt „White Devil“. Der Track begann mit einer eher jazzigen Piano-Idee und einem Balearic-artigen Beat. Nach und nach entwickelte sich daraus ein deutlich tanzbarerer Song – bis er am Ende beinahe als House-Track durchgehen könnte. Dabei war diese Entwicklung offenbar nicht von Anfang an geplant: “Wir haben diese Veränderung nicht erzwungen. Der Song hat förmlich danach verlangt, also sind wir ihm einfach gefolgt.” 

Das Gefühl steht über dem Sound

An solchen Beispielen wird deutlich, dass man einen Song - laut Band - vor allem um eine Komponente niemals reduzieren kann: das Gefühl.

“Ich hänge viel weniger an einzelnen Sounds als an der Frage, ob ich den Song noch fühle und ihm noch glaube, wenn ich ihn höre”, so President. “Du kannst eine Gitarre rausnehmen, einen Drum-Part ändern, einen Synth ersetzen oder sogar das komplette Arrangement neu aufbauen, aber wenn der emotionale Grund für den Song verloren geht, bleibt nichts mehr übrig, das es zu bewahren lohnt.” 

Nicht jede Geschichte muss schon erzählt werden

Bei einem Debütalbum besteht natürlich immer die Gefahr, dass man versucht, zu viel auf einmal zu erzählen. Gab es Ideen oder Themen, die die Band bewusst nicht auf Blood Of Your Empire gepackt hat, weil sie eher in ein späteres Kapitel von President gehören?

“Ja, allerdings nicht unbedingt auf eine kalkulierte Art und Weise”, so der Frontmann. “Es gibt Dinge, über die ich noch nicht bereit bin, öffentlich zu schreiben. Andere Ideen haben schlicht nicht in diese bestimmte Phase gepasst.”

Go with the flow, das ist auch die Einstellung der Band. Es gibt genügend Themen, die noch unerzählt sind: “Blood Of Your Empire fängt ein, wo mein Kopf während der Entstehung des Albums stand. Ich würde das nächste Kapitel lieber noch ungeschrieben lassen, als jeden Gedanken, den ich jemals hatte, irgendwie in ein Debütalbum zu pressen.”

Blood Of Your Empire ist ab sofort verfügbar. Du kannst dir das Werk hier unter den Nagel reißen. Stöbere außerdem in unserem Band Merch von President und kleide dich für den nächsten Gig ein. 

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Julia
Geschrieben von

Julia

Hey, ich bin Julia und schon lange redaktionell in der Szene tätig. "It was never just a phase, mom" - von Metalcore über Emo bis hin zu Nu Metal liebe und lebe ich seit meiner Jugend alles, womit ich meine Emotionen in jeder Lebenslage gut herausschreien kann. Wenn ich die Musik gerade nicht höre, halte ich mich mit News und Trends aus der Szene up to date. Man trifft mich außerdem oft auf Konzerten und Festivals oder mit meinem Hund bei ausgedehnten Gassigängen im Feld.