Bild: The Amity Affliction [Offizielles Pressefoto, Tom Brown]
The Amity Affliction kann man sicherlich als eine große Konstante der Post-Hardcore- und Metalcore-Szene bezeichnen. Doch mit dem Weggang von Sänger und Gründungsmitglied Ahren Stringer, dessen Vocals die prägendsten Platten der Australier dominierten, musste man sich in den letzten Monaten erst einmal neu finden. Mit House Of Cards meldet sich die Truppe jetzt mit dem ersten Full-Length-Werk in neuer Besetzung und mit Jonathan Reeves als neuem Vokalisten neben Joel Birch zurück.
Eine neue Dynamik? Ja, ganz bestimmt. Große Veränderungen? Stimmlich sicher, musikalisch allerdings bleibt man sich treu – und das ist auch gut so. TAA haben bekanntlich eine sehr solide Fanbase, die großteils auch aus Fans der ersten Stunde besteht. Dass Veränderungen von der „alten Garde“ Hörer:innen bekanntermaßen eher gemischt aufgefasst werden, ist nichts Neues – daher ist es kein schlechter Ansatz, zunächst beim Grundrezept zu bleiben.
Neue Besetzung, bewährter Sound
Thematisch allerdings ist House Of Cards schwere Kost. Auf der Platte verarbeitet Frontmann Joel Birch den Tod seiner Mutter. Sicherlich einer der Gründe, weshalb der nunmehr neunte Longplayer der Kombo aus Down Under sehr schwer daherkommt – und das ist keinesfalls negativ gemeint.
Schon der erste Track „Kickboxer“, der nach dem Intro „Vida Nueva“ so richtig reinhaut, zeigt, in welche Richtung es hier geht. Der Song ist heavy und präsentiert die neue Vocal-Range. Die Shouts sind sehr kraftvoll, und auch die Instrumente tragen diesen treibenden Beat. In eine ähnliche Richtung gehen „Bleed“, der sicherlich einen neuen Peak an Härte im TAA-Universum markiert, sowie der Album-Closer „Eternal War“. Joel Birchs Traumabewältigung wird auf solchen Tracks derartig nach außen getragen, dass man seine Gefühle fast selbst nachempfinden kann.
Die neue Stimme für Tiefe
Jonny Reeves’ Vocals ergänzen die von Joel Birch ganz hervorragend. Ein besonders hervorzuhebendes Beispiel ist „Heaven Sent“, in dem das Zusammenspiel schön zur Geltung kommt. Dass die Band das richtige Händchen bei der Auswahl ihres neuen Sängers hatte, wird hier besonders deutlich. Auch der Titeltrack der Platte spiegelt genau das wider und ist gleichzeitig ein Song in bester The Amity Affliction-Manier. Kritiker:innen, die dem Besetzungswechsel skeptisch gegenüberstanden, werden spätestens mit solchen Arrangements eines Besseren belehrt.
Never change a running system…
…aber sei trotzdem mutig, dich weiterzuentwickeln. So oder so ähnlich lautete sicherlich das Motto für House Of Cards. The Amity Affliction haben die Herausforderung eines neuen Abschnitts angenommen, ihm entgegengeblickt und ihn hervorragend gemeistert. An Härte haben sie nichts eingebüßt und gleichzeitig die Produktion ihres neunten Studioalbums auf ein neues Level gehoben. Doch nicht nur das: Auch thematisch und atmosphärisch sticht House Of Cards heraus. Die persönlichste und vermutlich auch herausragendste Platte von TAA hat jetzt schon das Potenzial, in der Diskografie der Australier ganz oben mitzuspielen.