Wacken Open Air Live Music Festival Heavy Metal

Studie auf dem Wacken Open Air zeigt: Metal-Fans halten Schmerz länger aus

Schmerzen? Nicht bei Metal-Fans! Eine neue Studie zeigt, dass Freunde von Heavy Music eine höhere Schmerztoleranz haben.

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Bild: Wacken Open Air 2026 Live

Metal macht aggressiv und sorgt dafür, dass man schneller ausrastet? Von wegen! Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften liefert spannende Erkenntnisse darüber, wie Heavy Metal unser Schmerzerleben beeinflussen könnte. Dafür haben Forschende auf dem Wacken Open Air insgesamt 122 Metal-Fans untersucht. Das Ergebnis: Im Verlauf des Festivals konnten die Teilnehmenden Schmerzen länger aushalten. Und nein, dafür mussten sie nicht einfach nur härter im Nehmen sein.

Wacken-Experiment: Wie lange hältst du deine Hand in Eiswasser?

Für die Studie untersuchten Lydia Schneider und Tom Fritz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften 122 Metal-Fans direkt auf dem Wacken Open Air. Die Aufgabe war ziemlich unangenehm: Die Teilnehmenden sollten ihre Hand und ihren Unterarm in eiskaltes Wasser halten. Währenddessen erfassten die Forschenden unter anderem die Herzfrequenz und die Herzratenvariabilität.

Wacken Open Air Live Music Festival Heavy Metal

Die Ergebnisse zeigten, dass die Festivalbesucher im Verlauf des Events den Kälteschmerz länger aushalten konnten als die Vergleichsgruppe, die vor den Live-Konzerten untersucht worden war. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei Personen, die während des Testzeitraums keinen, wenig oder moderat Alkohol getrunken hatten. Da Alkohol die Schmerztoleranz beeinflussen kann, wurden diese Ergebnisse gesondert betrachtet.

Wichtig ist dabei allerdings eine Unterscheidung: Die Teilnehmenden empfanden den Schmerz nicht als weniger unangenehm. Sie konnten ihn lediglich länger ertragen. Die Forschenden vermuten deshalb, dass sich vor allem die Akzeptanz unangenehmer Empfindungen verändert haben könnte.

Macht Metal uns widerstandsfähiger?

Was bedeutet das für uns als Metal-Fans? Offenbar könnte es einen Unterschied machen, wie wir mit unangenehmen Gefühlen umgehen. Heavy Metal drückt häufig Emotionen wie Wut, Frust und Verzweiflung aus. Anstatt solche Gefühle zu verdrängen, können wir sie beim Hören unserer Lieblingsbands bewusst erleben und verarbeiten.

Dass harte Musik nicht automatisch aggressiver macht, legen auch andere Forschungsergebnisse nahe. Eine Studie aus dem Jahr 2015 untersuchte 39 Fans extremer Musik, nachdem bei ihnen Ärger ausgelöst worden war. Diejenigen, die anschließend ihre bevorzugte harte Musik hörten, wurden dadurch nicht noch wütender. Stattdessen gingen Gefühle wie Feindseligkeit und Gereiztheit zurück, während die Teilnehmenden mehr Energie und Inspiration angaben.

Das passt zu dem, was viele Fans aus eigener Erfahrung kennen: Wenn Bring Me The Horizon, Architects, Parkway Drive oder Lorna Shore aus den Boxen dröhnen, muss das nicht bedeuten, dass wir anschließend die Welt in Schutt und Asche legen wollen. Manchmal hilft es einfach, den eigenen Frust rauszulassen und sich verstanden zu fühlen.

Was bedeutet das für Menschen mit chronischen Schmerzen?

Besonders interessant sind die Ergebnisse mit Blick auf Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Laut Tom Fritz spielt der Umgang mit Ärger und unangenehmen Gefühlen dabei eine wichtige Rolle. Musik wird im klinischen Umfeld häufig eingesetzt, um positive Emotionen zu fördern oder Entspannung zu unterstützen. Doch nicht jede Situation verlangt nach ruhigen Klängen.

Gerade für Menschen, die viel Ärger im Zusammenhang mit ihren Schmerzen erleben, könnte Musik, die diese Gefühle aufgreift, einen anderen Zugang ermöglichen. Statt negative Emotionen sofort durch positive ersetzen zu wollen, könnte es helfen, sie zunächst zuzulassen und zu verarbeiten.

Das heißt allerdings nicht, dass Metal nachweislich chronische Schmerzen verhindert oder als Therapie wirkt. Die Forschenden sehen hier vielmehr einen Ansatz für weitere Untersuchungen. Die Studie auf dem Wacken Open Air zeigt zunächst einen Zusammenhang zwischen dem Festivalerlebnis und einer erhöhten Schmerztoleranz; mögliche medizinische Anwendungen müssen noch genauer erforscht werden.

Wacken Open Air Live Music Festival Heavy Metal

Metal verbindet: Mehr als nur laute Gitarren

Neben der Musik selbst könnte auch das Gemeinschaftsgefühl auf einem Festival eine Rolle spielen. Gemeinsam vor der Bühne stehen, Lieblingssongs mitsingen, im Moshpit alles geben oder mit anderen Fans über neue Releases diskutieren: Die Metal-Szene bietet vielen Menschen einen Ort, an dem sie sich zugehörig und verstanden fühlen.

Ob bei Slipknot, Electric Callboy, Bad Omens oder Heaven Shall Burn: Live-Musik kann intensive Gefühle auslösen und Menschen zusammenbringen. Dieses Gefühl von Gemeinschaft kann dabei helfen, sich weniger allein zu fühlen und auch mit schwierigen Emotionen besser umzugehen.

Fazit: Metal ist nicht nur laut, sondern kann auch guttun

Klar ist: Harte Musik ist nicht automatisch ein Auslöser für Aggression. Für viele Fans ist sie ein Weg, Gefühle auszudrücken, Frust zu verarbeiten und Gemeinschaft zu erleben. Und manchmal reicht dafür schon der richtige Song, ein voller Festivalplatz und eine Menge Menschen, die genauso fühlen wie du.

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Julia
Geschrieben von

Julia

Hey, ich bin Julia und schon lange redaktionell in der Szene tätig. "It was never just a phase, mom" - von Metalcore über Emo bis hin zu Nu Metal liebe und lebe ich seit meiner Jugend alles, womit ich meine Emotionen in jeder Lebenslage gut herausschreien kann. Wenn ich die Musik gerade nicht höre, halte ich mich mit News und Trends aus der Szene up to date. Man trifft mich außerdem oft auf Konzerten und Festivals oder mit meinem Hund bei ausgedehnten Gassigängen im Feld.