Bild: Metallica [Offizielles Pressebild]
Als Metallica 1997 ihr siebtes Studioalbum Reload veröffentlichten, waren die Diskussionen groß. Bereits der Vorgänger Load hatte viele Fans mit seinem deutlichen Stilwechsel überrascht. Es ging weg vom klassischen Thrash Metal, hin zu Hard Rock, Blues- und Southern-Rock-Einflüssen. Reload setzte diesen Weg fort. Die Platte entstand ursprünglich gemeinsam mit Load während derselben Recording-Sessions. Sie sollten eigentlich als Doppelalbum veröffentlicht werden, erschienen dann aber doch eigenständig.
Trotz aller Diskussionen war der kommerzielle Erfolg enorm: Reload landete in zahlreichen Ländern auf Platz 1 der Charts und brachte mit Songs wie “Fuel” oder “The Unforgiven II” einige echte Live-Klassiker hervor. Am 26. Juni 2026 erscheint das Album anlässlich seines 30. Geburtstags außerdem als umfangreiche Remastered-Version inklusive bislang unveröffentlichtem Material neu. Grund genug, die Songs des Albums einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Das ist unser Ranking!
13. Slither
“Slither” gehört sicherlich zu den eher vergessenen Songs der Platte. Der Track zeugt stellenweise stark vom klassischen Hard Rock-Einfluss, den Metallica Ende der 90er verstärkt einbrachten. Vor allem der groovige Rhythmus und die eher lockere Struktur unterscheiden sich deutlich vom früheren Thrash-Sound der Band. Spannend: Metallica selbst haben den Song bis heute nie live gespielt, wodurch er innerhalb der Diskografie fast schon so etwas wie ein versteckter Deep Cut geblieben ist.
12. Bad Seed
Roh, bluesig, dreckig. “Bad Seed” zeigt die Southern Rock-Seite von Metallica besonders deutlich und klingt stellenweise wie eine Mischung aus klassischem Hard Rock und US-amerikanischem Wüsten-Soundtrack. Gerade James Hetfields Gesang fällt hier auf: tiefer, kontrollierter und deutlich stärker am klassischen Rock orientiert als noch zu Zeiten von Master Of Puppets (1986) oder ...And Justice For All (1988). Kein typischer Metallica-Song und genau deshalb so interessant.
11. Attitude
Der Titel passt wie die Faust auf’s Auge. “Attitude” lebt weniger von technischer Komplexität als eher von seiner Rotzigkeit. Durch die eingängige Songstruktur, auf die die Band damals wert legte, geht der Refrain sofort ins Ohr. Gerade live hätte der Track vermutlich hervorragend funktioniert, schaffte es aber nie wirklich ins Set der Band. Trotzdem gehört “Attitude” zu den Songs, die die Stimmung von Reload ziemlich gut zusammenfassen.
10. Carpe Diem Baby
Einer der unterschätztesten Songs auf Reload! “Carpe Diem Baby” baut eine fast schon hypnotische Atmosphäre auf und zeigt, wie experimentierfreudig Metallica damals unterwegs waren. Vor allem die Dynamik des Songs funktioniert hervorragend: Ruhige Passagen treffen auf schwere Gitarren und einen Refrain, der sich langsam entfaltet. Gerade Fans der atmosphärischeren Seite der Load/Reload-Ära dürften hier definitiv auf ihre Kosten kommen.
9. Better Than You
“Better Than You” gewann 1999 einen Grammy für die “Best Metal Performance”. Unter Fans zählt der Song zwar eher selten zu den ganz großen Highlights des Albums, dennoch bringt er eine Menge Energie mit. Vor allem der direkte Aufbau und die aggressivere Grundstimmung heben ihn von vielen anderen Tracks auf Reload ab. Live spielte die Band den Song nur sehr selten, was ihn durch den Grammy-Erfolg heute fast schon zu einer kleinen Kuriosität in der Diskografie macht.
8. Devil’s Dance
“Devil’s Dance” lebt von seinem schleppenden Rhythmus und gehört definitiv zu den härtesten Songs des Albums. Schlagzeuger Lars Ulrich beschrieb den Track später selbst als einen der “sexiest grooves”, die die Band je geschrieben habe. Besonders auffällig ist hier die Atmosphäre: Der Song wirkt bedrohlich, fast schon hypnotisch, und zeigt, wie gut Metallica Ende der 90er mit langsameren Tempi arbeiten konnten.
7. Prince Charming
“Prince Charming” geht direkter nach vorne als viele andere Songs auf Reload - und hat mit dem Reality TV-Format nichts zu tun! Der Song verbindet den Hard-Rock-Sound der damaligen Ära mit klassischen Metallica-Riffs und wirkt dadurch deutlich aggressiver als große Teile der restlichen Platte. James Hetfields Gesang transportiert hier sehr viel Attitüde und Selbstbewusstsein. Obwohl der Song nie zu den ganz großen Singles gehörte, ist er heute bei Fans ein beliebter Track.
6. Low Man’s Lyric
“Low Man’s Lyric” ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Song des Albums. Mit Drehleier-ähnlichen Sounds, akustischen Elementen und melancholischer Stimmung bewegt er sich fast schon im Folk Rock-Bereich und ist deshalb eines der spannendsten Experimenten der Band. Inhaltlich geht es um Einsamkeit und das Gefühl, nirgendwo wirklich dazuzugehören. Themen, die James Hetfield mit überraschend viel Verletzlichkeit transportiert.
5. Fixxxer
“Fixxxer” ist ein wahrer Fan Favorite und gilt als einer der emotionalsten Songs der Load/Reload-Ära. ER wurde jahrzehntelang nie live gespielt - bis Metallica ihn 2021 überraschend erstmals auf die Bühne brachten. Besonders die düstere Atmosphäre und der langsame Aufbau machen den Song so stark und sorgen dafür, dass er noch lange nachhallt. Viele Fans sehen in „Fixxxer“ sogar eines der besten Stücke, das Metallica in den späten 90ern geschrieben haben.
4. Where The Wild Things Are
Ein Song, der oft ein bisschen untergeht, obwohl er musikalisch unglaublich spannend ist. Der Track stammt teilweise aus Ideen von Bassist Jason Newsted und hebt sich mit seinem progressiven Aufbau deutlich vom Rest des Albums ab. “Where The Wild Things Are” wirkt mitunter sehr experimentell und zeigt, dass Metallica damals bewusst neue Wege ausprobieren wollten und mit unterschiedlichsten Einflüssen gespielt haben.
3. The Memory Remains
“The Memory Remains” gehört bis heute zu den größten Live-Hymnen der Band. Besonders der legendäre Mitsing-Part der britischen Sängerin Marianne Faithfull hat den Song unsterblich gemacht. Kaum ein anderer Track der späten 90er wird von Fans bei Konzerten so laut mitgesungen. Inhaltlich beschäftigt er sich mit Ruhm und Vergänglichkeit, also Themen, die hervorragend zur Atmosphäre des Stücks passen. Gerade live entfaltet „The Memory Remains“ noch einmal eine ganz eigene Magie.
2. The Unforgiven II
Eine Fortsetzung zu einem der größten Metallica-Songs überhaupt? Klang damals riskant, funktionierte aber erstaunlich gut. “The Unforgiven II” greift viele emotionale Elemente des Originals auf, klingt gleichzeitig aber deutlich melodischer und zugänglicher. Besonders spannend: Es ist bis heute der einzige echte Sequel-Song in der Diskografie der Band. Vor allem James Hetfields Gesang steht hier im Mittelpunkt und zeigt eine verletzlichere Seite, die man von Metallica bis dahin eher selten kannte.
1. Fuel
„GIMME FUEL, GIMME FIRE, GIMME THAT WHICH I DESIRE!“ – Mehr Metallica-Ende-90er geht wahrscheinlich nicht. “Fuel” ist bis heute DER Song von Reload und ein absoluter Live-Klassiker. Der Track kombiniert Tempo, ganz viel Groove und einen riesigen Mitsing-Refrain zu einem perfekten Stadion-Song. Angeblich ließ sich James Hetfield dabei sogar von seiner Begeisterung für schnelle Autos und Hot-Rod-Kultur inspirieren - oder er ist bei Rock am Ring mal eine Runde gedreht, man weiß es nicht. Live funktioniert “Fuel” bis heute unfassbar gut und sorgt zuverlässig für komplette Eskalation.