Bild: Beartooth [Offizielles Pressefoto]
Nach den Entwicklungen der letzten Wochen und Monate hat sich Beartooth-Sänger Caleb Shomo offiziell auf seinem Instagram-Kanal zu Wort gemeldet. In einem langen Statement schreibt er vor allem eines: “I am a proudly gay man.”
Und im gleichen Zug mit diesem Coming Out geht er auch auf die Hintergründe aller Beartooth-Alben inklusive dem im August erscheinenden Pure Ecstasy ein, sowie auf die schwere Reise hin zur Selbstakzeptanz.
Sein komplettes Statement liest sich wie folgt:
„In letzter Zeit gab es viele Spekulationen um mein Privatleben, und ich fühle mich gezwungen, die Dinge klarzustellen, bevor es diejenigen, die ich liebe, noch weiter belastet.
Ich bin ein stolzer schwuler Mann.
Das ist etwas, das ich schon seit geraumer Zeit in meinem Leben aufarbeite und mit dem ich mich auseinandersetze. Es war schwierig, mit den Gefühlen rund um dieses Thema umzugehen und herauszufinden, was ich mit dieser Tatsache anfangen soll.
Wenn es um meine Kunst / Beartooth geht, habe ich von Album zu Album immer danach gestrebt, dem nachzujagen, wer ich im tiefsten Inneren meiner Seele bin. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, wenn ihr der Band in den früheren Jahren überhaupt gefolgt seid, gibt es vier sehr selbstabwertende Alben, in denen es um die Aufarbeitung meiner religiösen Erziehung, um Depressionen, Selbsthass, Selbstabscheu und Hoffnungslosigkeit geht. Ich bin dankbar für all diese Alben, aber manchmal ist es mir auch unangenehm, dass ich mir so lange nicht erlaubt habe, wirklich an die Wurzeln zu gehen.
Ich habe ein Jahrzehnt damit verbracht, Gefühle mit Alkohol zu betäuben. Und ehrlich gesagt, als ich mich entschied, ihn wegzulassen und mich darauf zu konzentrieren, zu erforschen, warum ich mich so lange so gefühlt habe, war das ein direkter Weg für mich, mich mit meiner Sexualität auszusöhnen – in der Hoffnung, dass es mich am Ende dazu führt, Selbstliebe zu erfahren. Eine Sache, die ich beschlossen habe, bevor ich auch nur eine einzige Note des kommenden Albums geschrieben habe, ist, dass ich mich, was auch immer passiert, von ganzem Herzen und vollkommen ausdrücken werde. Wohin auch immer es mich führt, ich werde folgen, und ich weigere mich, irgendeinen Teil davon zu verwässern – von der Musik über die Songtexte bis hin zu der Art und Weise, wie ich mich selbst darstelle. Ich werde nur das tun, was mich auf der tiefsten Ebene glücklich macht und was die ehrlichste Darstellung dessen ist, wer ich bin. Ich glaube, es ist unmöglich, jeden Teil von sich zu lieben, wenn man nicht jedem Teil von sich direkt ins Auge blickt. Ich versuche, endlich stolz darauf zu sein, wer ich bin, und ich denke, das ist ein riesiger Teil dieser Reise.
An diejenigen, die mir Liebe gezeigt haben, die mich bestärkt haben, indem sie ihr Leben in meiner Gegenwart frei und offen gelebt haben, die die Queer-Community unterstützen oder mir einfach gesagt haben, dass sie mich lieben, wer auch immer ich bin: Ich stehe für immer in eurer Schuld und ich hoffe, ihr wisst, was ihr mir bedeutet.
Ich ermutige jeden, der damit kämpft, wer er ist, nachsichtig mit sich selbst zu sein. Habt Geduld mit euch. Seid ehrlich zu euch selbst. Macht die harte Arbeit, anstatt alles so tief in euch zu vergraben, wie es physisch nur geht, in dem Glauben, dass es sich dadurch ändern wird, so wie ich es getan habe. Diese Dinge in sich hineinzufressen, schadet nur dir selbst und den Menschen um dich herum.
Ich liebe euch alle, und hoffentlich ist das ein Schritt in die richtige Richtung, um mich eines Tages selbst zu lieben.“
Statement von Calebs Frau Fleur Shomo
Leider hat selbst Calebs Frau der Tumult rund um die Veröffentlichung des Musikvideos “Free” und der Backlash dazu erreicht. Wie Shomo schon zu Beginn seines Statements schreibt, möchte er durch die öffentliche Bekanntgabe auch verhindern, dass seine Angehörigen noch weiter belastet werden. Auch Fleur Shomo hat sich mittlerweile offiziell geäußert und ihr eigenes Statement veröffentlicht, in dem sie ehrlich und offen über die Entwicklungen und ihre Gefühle dazu spricht:
„Die vergangenen Monate waren eine sehr verwirrende und schmerzhafte Zeit, durch die wir uns navigieren mussten. Für uns beide. Aber ich werde Caleb immer lieben, beschützen und unterstützen wollen. Sein Wohlergehen lag mir über die Jahre mehr am Herzen als alles andere auf der Welt.
Zu sehen, durch welche Verwirrung und welchen Schmerz er gegangen ist, die Höhen und Tiefen, und helfen zu wollen, aber nicht zu wissen wie. Man wünscht sich für den Menschen an seiner Seite nie mehr, als dass es ihm einfach gut geht. Man fragt sich auch ständig, ob man ein schlechter Mensch ist, weil man sich fragt, was zur Hölle das für die eigene Welt bedeutet, und wegen der Wut, die man ebenfalls fühlt. Ich bin die einzige Person, die mit der Dualität dieser Situation umgehen muss. Ihn zu unterstützen, während ich gleichzeitig alles verliere, war unglaublich schwer zu begreifen. Man kann den Menschen an seiner Seite durch die härteste Zeit seines Lebens lieben und unterstützen, während man gleichzeitig selbst völlig zerstört wird und sich selbst verliert.”
“Ich wollte schon immer nichts sehnlicher, als dass Caleb glücklich ist. Der Versuch, ihm dabei zu helfen, das durchzustehen, ohne die geringste Ahnung zu haben, was zu tun ist, war ein Lernprozess, von dem wir nie erwartet hätten, ihn gemeinsam zu erleben. Die Isolation, mit niemandem darüber sprechen zu können, war tiefgreifend, da es nicht meine Geschichte war, die ich erzählen durfte. Meine mentale Gesundheit hat gelitten, und ich hatte Momente, in denen ich mich selbst nicht gespürt oder mich nicht wie ich selbst verhalten habe. An diejenigen, die es wussten und für mich da waren: Danke. Ich werde euch eure Güte niemals zurückzahlen können.”
“Niemand wird jemals unsere Ehe so kennen wie wir. Und niemand kann jemals wirklich wissen, welche Tiefen der Liebe zwischen zwei Menschen existieren, es sei denn, man gehört selbst dazu. Ich vermisse sie und meinen Ehemann schon jetzt mehr als alles andere. Unsere Geschichte war eine gute. Und jetzt ist sie zu Ende.
Ich hoffe, dass jeder auf der Welt, der so etwas durchmacht, Hoffnung und Mut findet, und ich hoffe, dass die Fans Caleb weiterhin unterstützen.
Fürs Erste werde ich mich weiterhin auf das konzentrieren, was ich kontrollieren kann, und mein Leben weiterleben, während ich versuche, das zu erreichen, was ich erreichen möchte. Und wenn ich auf diesem Weg weiterhin so vielen Hunden wie möglich Hallo sage, dann werden die Dinge sicher langsam besser – Tag für Tag, Stück für kleines Stück, Schritt für Schritt.“
Die Äußerungen sowohl von Caleb als auch Fleur zeigen eine gehörige Portion Mut, selbst heute und selbst - wie zahlreiche homophobe Kommentare gezeigt haben - in der Szene. Dementsprechend natürlich alles Gute von unserer Seite für die Zukunft.
Und nun gibt es noch einmal mehr Spannung im Hinblick auf das neue Beartooth Album Pure Ecstasy, das am 28. August 2026 erscheint und wie von ihm selbst geschildert wohl eine ganz neue, ungefilterte Seite von Caleb Shomo zeigen wird. Titel wie “Eyes Closed”, “Beautiful Again”, “Lose You To Find Me” und “For Me By Me” bis hin zum Abschluss “Made It” deuten schon jetzt eine rundum emotionale Reise durch Lyrics wie auch Sound an.
Das neue Album kannst du hier direkt vorbestellen.