Bring Me The Horizon Oli Sykes Nova Rock Festival

Die Erfolgsgeschichte von Bring Me The Horizon: Von Deathcore zu Stadion-Rock

Bring Me The Horizon haben ihren Sound im Laufe ihrer Karriere nicht nur einmal verändert, sind sich selbst aber stets treu geblieben. Ein Rückblick auf die Karriere der Briten.

Bild: Bring Me The Horizon Live [Cat Eye Photography]

Wenn man über “musikalischen Wandel” in der Rock- und Metal-Szene referieren wollen würde, dann wären Bring Me The Horizon wahrscheinlich die Band, die die meisten Folien der Präsentation zieren würde. Die britische Band um Frontmann Oli Sykes ist seit mehr als 20 Jahren im Geschäft; ihr Debütalbum Count Your Blessings (2006) feiert dieses Jahr 20. Geburtstag, und wird zu diesem Anlass noch mal als Neuauflage unter die Leute gebracht. Während man hier noch rohen Deathcore lieferte, ist man inzwischen mit den neuesten Releases bei einem Sound angekommen, der gekonnt verschiedene Einflüsse aus anderen Genres nimmt und zu einem BMTH-typischen Gesamtpaket verpackt. 

Nach den ersten Live-Schritten in den kleinen Clubs ihrer Heimatstadt Sheffield und Umgebung, steht die Kombo heute auf den ganz großen Bühnen der Welt. Ausverkaufte Arena-Touren, Headliner-Slots auf internationalen Festivals: Bring Me The Horizon haben alles mitgemacht und ihre Produktion den immer neuen Gegebenheiten angepasst. Dieses Jahr headlinen sie das Nova Rock Festival in Österreich und werden Nickelsdorf und den dortigen Besucher:innen ordentlich einheizen.

Eine irrsinnige Entwicklung, die in der Karriere der Kombo mit einigen Höhen und Tiefen einherging. Wir haben uns den Werdegang der Briten vom Club zum Headliner-Slot mal genauer angeschaut.

Die rohe Anfangszeit

Wenn man sich die frühen Jahre von Bring Me The Horizon anschaut, wird schnell klar, wie weit der Weg der Band tatsächlich war. Count Your Blessings war laut, chaotisch und roh und tief im Deathcore verwurzelt. Trotz der nischigen Musik haben sich die Briten eine treue, aber klar definierte Fanse erspielen können. 

Doch schon mit dem Nachfolger Suicide Season (2008) deutete sich an, dass Stillstand für BMTH keine Option ist. Erste melodischere Ansätze schlichen sich in den Sound, ohne dabei die Härte komplett über Bord zu werfen. Dabei sind mit den ersten Platten richtige Fan Favorites entstanden. Songs wie “Pray For Plagues”, “Chelsea Smile” oder "Diamonds Aren’t Forever” schleichen sich heute immer mal wieder in die Setlists auf den Konzerten der Band, ganz zur Freude der Besucher:innen. 

Experimentiertfreudigkeit und Fan-Kritik

Der wirkliche Bruch kam dann mit There Is A Hell Believe Me I’ve Seen It. There Is A Heaven Let’s Keep It A Secret. (2010). Hier wurde der Sound deutlich vielschichtiger und experimenteller. Elektronische Elemente hielten Einzug, Songs wurden größer gedacht und der Sound atmosphärischer. Ein erster Schritt war in Richtung dessen gemacht, was später noch folgen sollte. Und was für viele Fans das ein spannender Fortschritt war, war für andere bereits ein erster Kritikpunkt, den man auch nicht für sich behielt.

Die musikalische Zäsur

Der Release von Sempiternal (2013) gilt als Zäsur in der Karriere von Bring Me The Horizon. Der Einstieg von Keyboarder und Producer Jordan Fish brachte eine neue Dynamik in die Band. Elektronik, Struktur und ein stärkerer Fokus auf Hooks rückten in den Vordergrund, ohne die Wurzeln dabei komplett zu kappen. Songs wie “Can You Feel My Heart” oder “Sleepwalking” öffneten der Band Türen zu einem deutlich breiteren Publikum; ein Moment, der rückblickend als einer der wichtigsten Wendepunkte ihrer Karriere gilt.

Der veränderte Sound spaltete allerdings die bisherige Fangemeinschaft, auch bis heute noch. Es gibt zwei Lager: Diejenigen, die Fans der ersten Stunde sind und maximal bis There Is A Hell… etwas mit der Musik der Briten anfangen können und diejenigen, die sich vor allem mit dem vielschichtigeren und besser produzierten Sound identifizieren können. Der kommerzielle Erfolg jedoch sprach eindeutige Bände, denn ab Sempiternal konnte man hohe Chartplatzierungen sowie deutlich höhere Verkaufszahlen für sich verzeichnen.

Immer weiter, immer höher

Doch statt sich auf diesem Erfolg auszuruhen, ging die Reise weiter. That’s The Spirit (2015) verabschiedete sich weitestgehend vom Metalcore und setzte stärker auf Alternative Rock und große Melodien. Spätestens hier war klar: Bring Me The Horizon wollen nicht mehr nur Teil einer Szene sein, sondern darüber hinauswachsen. Die Platte ist die heute kommerziell erfolgreichste LP der Band.

Mit amo (2019) wurde der Sound noch einmal deutlich breiter. Und wenn wir “deutlich” schreiben, dann meinen wir es auch so, denn in Sachen Sound sticht dieses Album in der Diskografie der Briten deutlich raus. Pop, Elektronik, experimentelle Strukturen: BMTH loteten Grenzen aus, die man ihnen zu Beginn ihrer Karriere wohl kaum zugetraut hätte. Auch wenn nicht jeder Song bei allen gleichermaßen zündete, zeigte sich hier vor allem eines: die konsequente Weigerung, sich in eine Schublade stecken zu lassen.

Parallel dazu wuchs die Band auch live immer weiter. Aus kleinen Clubs wurden Hallen, aus Hallen wurden große Festivalbühnen. Heute gehören Bring Me The Horizon zu den Acts, die mühelos vor hunderttausenden Menschen bestehen können, wie sie letztes Jahr bei Rock am Ring und Rock im Park gezeigt haben und dieses Jahr beim Nova Rock neuerlich deutlich machen werden. Und das mit einem Sound, der genau für diese Dimensionen gemacht ist.

Am Zenith angekommen?

Die jüngeren Releases, die beiden bislang veröffentlichten Werke der Post Human-Reihe, wirken dabei wie eine Art Zusammenführung all dieser Phasen. Härte, Melodie, Elektronik und Experiment: So ziemlich alles findet hier seinen Platz. Der Weg dorthin war nicht immer geradlinig, nicht immer unumstritten, aber genau das hat die Band geprägt.

Was bleibt, ist eine Entwicklung, die in der Szene ihresgleichen sucht. Bring Me The Horizon haben sich nie darauf verlassen, dass ein einmal funktionierendes Konzept auch in Zukunft trägt. Stattdessen haben sie sich immer wieder neu erfunden und genau damit ihren Platz ganz oben gefestigt.

Julia
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Julia

Hey, ich bin Julia und schon lange redaktionell in der Szene tätig. "It was never just a phase, mom" - von Metalcore über Emo bis hin zu Nu Metal liebe und lebe ich seit meiner Jugend alles, womit ich meine Emotionen in jeder Lebenslage gut herausschreien kann. Wenn ich die Musik gerade nicht höre, halte ich mich mit News und Trends aus der Szene up to date. Man trifft mich außerdem oft auf Konzerten und Festivals oder mit meinem Hund bei ausgedehnten Gassigängen im Feld.