Architects Live Music Sam Carter

Architects: Das bedeutet Metalcore für die heutige Musikszene

Architects stehen dieses Jahr wieder auf den Festivalbühnen. Doch wie hat die Band es geschafft, die heutige Metalcore-Szene derart zu prägen?

Bild: Architects Live [Sara Velez Herrero]

Architects sind aus der heutigen Metalcore-Szene nicht mehr wegzudenken. Ganz im Gegenteil: Kaum eine Band hat das Genre in den letzten Jahren derart geprägt wie die britische Band um Frontmann Sam Carter. Seit gut 20 Jahren macht die Kombo aktiv Musik. 20 Jahre, in denen sie elf Studioalben an den Start gebracht haben, zuletzt 2025 die aktuelle Scheibe The Sky, The Earth & All Between. Über die Jahre hinweg hat sich der Sound ein Stück weit verändert, oder vielmehr weiter ausdefiniert.

Während man auf den ersten Releases noch recht rohen Metalcore an den Tag legte, zaubert man heute ein komplexes Soundgerüst aus klassischen Metalcore-Strukturen mit anderen Einflüssen und lyrischer Tiefe. Doch welche Bedeutung hat Metalcore, wie beispielsweise die Architects ihn etabliert haben, in der heutigen Szene?

Vom Underground-Geheimtipp zur Festival-Hauptbühne

Wenn Sam und Co. diesen Sommer bei Rock am Ring und Rock im Park, beim Nova Rock Festival, beim Jera On Air oder bei unserem Impericon Festival die Bühne betreten, dann zeigt das vor allem eines: Metalcore ist kein kleines Subgenre, das nur in verschwitzten Clubs funktioniert. Bands wie die Architects haben die Musikrichtung über Jahre hinweg aus dem Underground herausgeführt und zu einem festen Bestandteil moderner Festival-Line-ups gemacht.

Dabei begann alles deutlich kleiner. Während die heutigen Songs sehr strukturiert und vor allem hervorragend produziert sind, waren die Tracks aus der Anfangszeit noch weniger definiert. Besonders auf frühen Releases wie Nightmares (2006) oder Ruin (2007) dominierte noch ein deutlich roherer Sound. Harte Breakdowns, hektische Riffs und aggressive Vocals standen im Mittelpunkt. Doch bereits damals war zu erkennen, dass Architects mehr wollten als reinen Moshpit-Sound. Die Stücke waren schon hier deutlich atmosphärischer und emotionaler als bei vielen anderen Bands des Genres.

Der Release von Hollow Crown (2009) markiert für einige Fans den Wendepunkt in der Karriere der Architects; für andere war es erst der Release von Lost Forever // Lost Together (2014). Man kann sagen: Beides ist irgendwie wahr, denn beide Platten stellten zum damaligen Zeitpunkt eine deutliche Weiterentwicklung des Sounds dar. Fans der frühen Stunde konnten an Hollow Crown sowie den Nachfolgewerken The Here And Now (2011) und Daybreaker (2012) noch deutlich stärker Gefallen finden als an den späteren Platten. Neben der stimmlichen Weiterentwicklung von Sam Carters Vocals kamen auch Einflüsse aus anderen Genres dazu. Die Band sagte, neben klassischen Metalcore-Strukturen mixten sie auch erstmals Sounds aus Musikrichtungen ein, die sie selbst gerne hören. Der Sound wurde breiter, die Produktion besser und damit das Standing in der Szene höher. Ein guter Weg.

Die Ära, die den modernen Metalcore definierte

Einen enormen und objektiv nicht zu leugnenden Wendepunkt markierten schließlich Lost Forever // Lost Together und All Our Gods Have Abandoned Us (2016). Insbesondere Gitarrist und Hauptsongwriter Tom Searle, der 2016 an Krebs verstarb, prägte in dieser Phase maßgeblich den Sound der Band und damit auch den modernen Metalcore insgesamt. Die Mischung aus brutalen Riffs, riesigen atmosphärischen Sounds und gesellschaftskritischen Lyrics wurde für viele junge Bands zum Blueprint.

Architects schafften es dabei wie kaum eine zweite Band, musikalische Härte und Emotionalität miteinander zu verbinden. Hinzu kommen gesellschaftlich relevante Themen in den Texten. Klimawandel, gesellschaftliche Missstände, Verlust oder Hoffnungslosigkeit sowie generell Themen rund um Mental Health prägen die Lyrics bis heute und sprechen einer ganzen Generation aus der Seele. Mit der inhaltlichen Tiefe zeigten die Architects, dass es im Metalcore um mehr als nur “Breakdown nach Breakdown” gehen kann, sondern darum, Emotionen, Ängste und Haltung in Musik zu übersetzen. Wobei wir Sams “Bleghs” natürlich trotzdem sehr lieben! Holy Hell (2018) bewies das einmal mehr. Es war die erste Scheibe der Briten nach dem Tod von Gitarrist Tom Searle, auf der die Band versuchte, das Trauma über den Verlust ihres Kollegen, Freundes und Bruders zu verarbeiten, und gilt als emotionales Album der Band.

Warum Architects heute so wichtig für die Szene sind

Die Bedeutung von Architects zeigt sich heute vor allem daran, wie sehr sich die Szene an ihrem Sound orientiert hat. Viele moderne Metalcore-Bands setzen inzwischen ebenfalls auf große Refrains, cineastische Produktion, elektronische Elemente und emotionale Lyrics. Gleichzeitig blieb die Band nie komplett stehen. Mit Alben wie For Those That Wish To Exist (2021) öffnete man sich stärker für Alternative Rock, Industrial-Elemente und orchestrale Arrangements. Auch das sorgte zunächst für Diskussionen innerhalb der Szene und unter den Fans, zeigte aber gleichzeitig, wie wandelbar Metalcore inzwischen geworden ist.

The Classic Symptoms Of A Broken Spirit (2022) folgte diesem Weg erstmal weiter, doch mit der aktuellen Platte The Sky, The Earth & All Between macht die Truppe wieder eine Rolle rückwärts. Hier schafft es die Band perfekt, ihre Heaviness aus der Anfangszeit und ihren breiteren und weiterentwickelten Sound miteinander zu vereinen.

Genau darin liegt vielleicht die größte Stärke der Band: Architects haben es geschafft, die Wucht und Energie des Genres beizubehalten und gleichzeitig dessen Grenzen immer weiter aufzubrechen. Dadurch funktioniert die Musik heute nicht mehr nur vor Hardcore-Kids in kleinen Clubs, sondern ebenso vor zehntausenden Menschen auf den größten Festivalbühnen Europas. Die Band zeigt mit ihrer Musik, was moderner Metalcore inzwischen leisten kann. Die Musik schafft Gemeinschaft, transportiert Emotionen und funktioniert gleichzeitig mit einer Intensität, die man live kaum ignorieren kann. Gerade Festivals profitieren davon enorm. Architects bringen nicht nur Härte auf die Bühne, sondern auch Atmosphäre, Dynamik und riesige Singalong-Momente.

Metalcore als Spiegel einer Generation

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Metalcore aktuell relevanter wirkt denn je. Die Musik vereint Wut, Unsicherheit, Überforderung und Hoffnung in einer Weise, mit der sich viele Menschen identifizieren können. Die Architects gehören zu den Bands, die diese Entwicklung nicht nur begleitet, sondern aktiv geprägt haben.

Vom chaotischen Underground-Sound der frühen 2000er bis hin zu modernen Arena-Produktionen zieht sich bei der Band ein klarer roter Faden durch: das Bedürfnis, Emotionen ungefiltert nach außen zu tragen. Und genau deshalb funktioniert die Band 2026 vermutlich besser denn je.

Julia
Geschrieben von

Julia

Hey, ich bin Julia und schon lange redaktionell in der Szene tätig. "It was never just a phase, mom" - von Metalcore über Emo bis hin zu Nu Metal liebe und lebe ich seit meiner Jugend alles, womit ich meine Emotionen in jeder Lebenslage gut herausschreien kann. Wenn ich die Musik gerade nicht höre, halte ich mich mit News und Trends aus der Szene up to date. Man trifft mich außerdem oft auf Konzerten und Festivals oder mit meinem Hund bei ausgedehnten Gassigängen im Feld.