Bild: Linkin Park [Offizielles Pressefoto]
Linkin Park haben in ihrer Karriere einige Höhen und Tiefen erlebt. Trotz allem - oder gerade deshalb - gehört die Band aus Kalifornien zu den ganz Großen aus der Welt der guten Gitarrenmusik. In ihren Anfangsjahren machten sie den Nu Metal mainstreamtauglich. Harte Riffs mit eingängigen Singalongs und starken Rap-Parts zogen ein breites Publikum aus verschiedenen Genres an. Bereits mit ihren ersten beiden Alben Hybrid Theory (2000) und Meteora (2003) sicherten sie sich ihren Platz ganz oben in der Riege der Bands, die nachhaltig Einfluss auf die Szene haben sollten.
Den Tiefpunkt markierte sicherlich der Tod von Sänger Chester Bennington 2017. Der langjährige Frontmann hinterließ eine große Lücke, von der man lange nicht wusste, ob sie wieder gefüllt werden könnte. 2024 starteten Linkin Park ihr Comeback mit Emily Armstrong am Mikrofon - mit großem Erfolg. Das Comeback-Album From Zero schlug weltweit ein und erreichte die höchsten Chartpositionen.
Wie kaum eine andere Band haben Linkin Park es über die Jahre geschafft, mit ihrer Musik nie an Relevanz zu verlieren. Diese 8 Bands haben unserer Meinung ähnliches Potenzial, den Nerv ihrer Fans zu treffen.
Bring Me The Horizon
Eine Band, die einen ähnlich spannenden Wandel durchgemacht hat wie Linkin Park, ist Bring Me The Horizon. Vom brachialen Deathcore der Anfangsjahre hat sich die britische Kombo immer weiter geöffnet und verbindet heute harte Gitarren mit elektronischen Elementen, Pop-Einflüssen und großen Hooks. Spätestens seit ihrem Album That's The Spirit zeigen sie, wie gut sich emotionale Tiefe und Mainstream-Potenzial verbinden lassen. Thematisch geht es bei Oli Sykes und Co. oft um innere Konflikte, Selbstzweifel und den Umgang mit mentaler Gesundheit, also Themen, die auch bei Linkin Park immer eine große Rolle gespielt haben. Eine Band, die den Nerv der Zeit trifft.
Landmvrks
Landmvrks bringen einen Aspekt zurück, der viele Fans an den frühen Linkin Park so begeistert hat: die Kombination aus harten Riffs und starken Rap-Parts. Frontmann Florent Salfati wechselt mühelos zwischen aggressiven Shouts, cleanem Gesang und technisch versierten Rap-Passagen, mal auf Englisch, mal auf Französisch. Die Kombo verleiht den Songs ihre ganz eigene Dynamik. Gerade auf The Darkest Place I’ve Ever Been wird deutlich, wie gut der Mix funktioniert, wenn man sich denn mal etwas traut. Ähnlich wie bei Linkin Park entsteht daraus eine spannende Kombi, die verschiedene Genres mit einer Leichtigkeit miteinander verbindet und dabei extrem eingängig bleibt.
Sleep Token
Ähnlich emotional wie in den Songs von LP geht es auch in den Stücken von Sleep Token zu. Die Musik der Maskenkombo rund um Frontmann Vessel sind eine Mischung aus Metal, R&B, Rap, Pop, Progressive… und irgendwas dazwischen. Ein moderner Crossover, der sich gar nicht so richtig definieren lässt. Wie auch Linkin Park schaffen es Sleep Token, manchmal innerhalb ein und desselben Songs zwischen heavy Screams und emotionalem Gesang zu wechseln, als sei es das Leichteste der Welt. Hier werden die Emotionen der Hörer:innen ganz bewusst angezielt. Insbesondere die Soundwelten von Take Me Back To Eden und Even In Arcadia sind etwas für die ganz großen Gefühle.
Bad Omens
Bad Omens bewegen sich ganz konsequent zwischen moderner Härte und atmosphärischem Feingefühl - eine Kombination, die auch Linkin Park groß gemacht hat. Die Band versteht es, schwere Gitarren mit elektronischen Elementen und fast schon poppigen Melodien zu verbinden. Gerade auf der Platte The Death Of Peace Of Mind zeigt sich, wie stark hier mit Emotionen gearbeitet wird: Die Songs schwanken zwischen Wut, Melancholie und einer gewissen inneren Leere, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Das prägte auch die frühen LP-Releases. Die emotionale und musikalische Vielschichtigkeit und der moderne Sound machen Bad Omens zu einem der spannendsten Acts der aktuellen Zeit.
I Prevail
I Prevail schlagen musikalisch in eine ähnliche Kerbe wie die frühen Linkin Park: Harte Riffs treffen auf eingängige Refrains und ein Wechselspiel aus cleanem Gesang und aggressiven Shouts. Auch ein großer Line-up Change durch den Wegfall von Clean-Sänger Brian Burkheiser prägte die Truppe und stellte sie vor die Herausforderung, die große Lücke zu füllen. Wie Linkin Park haben auch I Prevail diese mit Bravour gemeistert und sich die “Arbeit” intern zwischen Gitarrist und Background-Sänger Dylan Bowman und Screamer Eric Vanlerberghe aufgeteilt, die sich den Clean-Part jetzt teilen. Mit Alben wie Violent Nature, Trauma oder True Power beweisen sie zudem, dass hinter dem Sound mehr steckt als nur Energie. Persönliche Krisen, Ängste und emotionale Tiefpunkte werden hier offen verarbeitet.
Electric Callboy
Wenn es um Crossover geht, sind Electric Callboy GANZ vorne mit dabei. Die Band aus Castrop-Rauxel kombiniert Metalcore mit heavy Screams mit eingängigen elektronischen Beats, Pop-Elementen und einer ordentlichen Portion Humor. Dabei setzen sie sich ganz bewusst und oft auch etwas überspitzt über Genre-Grenzen hinweg. Insbesondere das Album TEKKNO zeugt davon, wie vielschichtig die Truppe arbeitet. Auch wenn der Ansatz deutlich augenzwinkernder ist, erinnert die stilistische Offenheit stark an Linkin Park: Harte Gitarren treffen auf tanzbare Parts, eingängige Hooks und moderne Produktion.
Spiritbox
Spiritbox stehen für die emotionale Tiefe, die viele Fans auch an Linkin Park schätzen. Die Band um Sängerin Courtney LaPlante schafft es, zwischen fragilen Momenten und brachialen Ausbrüchen zu wechseln, ohne dass es erzwungen wirkt. Ganz im Gegenteil: Die Vocal-Range der Sängerin steht der von Chester Bennington oder Emily Armstrong in Nichts nach. Die Alben Eternal Blue und Tsunami Sea zeigen diese musikalische Breite perfekt: Atmosphärische Sounds treffen auf schwere Riffs und intensive Vocals. Ein Wechselspiel an emotionaler Extreme, die auch Linkin Park in ihren Songs ausgelotet und womöglich einen der Grundsteine für diese ambivalenten Tunes gelegt haben.
Turnstile
Turnstile gehen musikalisch einen etwas anderen Weg, treffen aber trotzdem einen ähnlichen Nerv. Die Band verbindet Hardcore mit Einflüssen aus Alternative, Indie und sogar Pop und schafft damit einen Sound, der frisch, emotional und extrem zugänglich ist. Spätestens mit den Longplayern GLOW ON und NEVER ENOUGH wurde klar, dass harte Musik nicht eindimensional sein muss. Genau wie Linkin Park zeigen Turnstile, dass sich Gewohntes und Experimentierfreude perfekt verbinden lassen und eine ganz neue Energie schaffen. Und dass Genregrenzen heute mehr denn je zum Überschreiten da sind.