Bild: Master Of Puppets Album Cover
Die 1980er Jahre waren ein Jahrzehnt, das die Musikwelt in vielerlei Hinsicht geprägt hat: Es wurde elektronischer, es wurde experimenteller und Genres wie Synthie-Pop oder Neue Deutsche Welle (NDW) fluteten die Radiosender. Doch neben den popkulturellen Entwicklungen gab es auch eine musikalische Strömung, die die Rock- und Metalwelt ordentlich aufgemischt hat, denn die 80er gelten auch als die Geburtsstunde des Thrash Metal.
Metallica waren neben Slayer, Megadeth und Anthrax einer der sogenannten “Big Four” des Thrash Metal. 1986 brachten sie ihr drittes Studioalbum Master Of Puppets auf den Markt, das als eine der wichtigsten Platten des Genres gilt. Man sagt dem Longplayer heute nach, dass er den Thrash Metal salonfähig machte und nicht nur Metallica selbst in den Mainstream katapultierte, sondern auch eine breitere Hörerschaft für härtere Gitarrenmusik begeistern konnte. 2026 feiert die Platte der Band um Frontmann James Hetfield ihren 40. Geburtstag und anlässlich dessen werfenwagen wir einen Blick zurück auf die Geschichte des Thrash. Die folgenden Platten haben das Genre für uns heute zu dem gemacht, was es ist.
Metallica - Master Of Puppets
Beginnen wir doch gleich mit dem Album, das den Grundstein für den Aufschwung des Genres gelegt haben soll. Im Vergleich zu den ersten beiden Werken Kill ‘Em All (1983) und Ride The Lightning (1984) kam das Master Of Puppets “erwachsener” daher: Der Sound war vielschichtiger, der Sound technisch versierter. Es war die erste Scheibe von Metallica, die mit Platin ausgezeichnet wurde! Doch der Erfolg wurde noch im gleichen Jahr vom tragischen Tod von Cliff Burton überschattet, denn es sollte der letzte Release mit dem Bassisten werden. Der Musiker kam während des Tourens bei einem Busunfall ums Leben.
Slayer - Reign In Blood
Was Master Of Puppets für Metallica war, war für Slayer ihr ebenfalls 1986 erschienenes Werk Reign In Blood. Auch für die Band um Sänger Tom Araya war die Scheibe ihr drittes Full-Length-Werk und die Scheibe, die den Weg für eine sehr erfolgreiche Karriere ebnete. Für die Scheibe rekrutierten die Herrschaften erstmals Producer Rick Rubin, der dabei half, den Thrash-Rohdiamanten zu schleifen. Rubin hatte bei vielen Releases in der Heavy Music Szene seine Finger im Spiel, ist allerdings ebenfalls dafür bekannt, Musiker:innen im Hip-Hop, Pop und Country an die Spitze der Charts gebracht zu haben. Für Slayer hat die Zusammenarbeit ebenfalls gut funktioniert, denn Reign Of Blood definierte den Sound, mit dem die Band bis heute ganz oben mitmischt.
Megadeth - Peace Sells… But Who’s Buying It?
Megadeth gelang mit ihrem zweiten Studioalbum Peace Sells… But Who’s Buying It? ebenfalls 1986 der Durchbruch. Während das Debüt Killing Is My Business... And Business Is Good! noch ein bisschen unter dem Radar flog, markierte der Nachfolger später das erste mit Platin ausgezeichnete Werk der Band aus Los Angeles. Aus der damaligen Besetzung ist heute übrigens nur noch Sänger Dave Mustaine Teil der Formation, was aber auch nicht weiter verwunderlich ist, hatte die Kombo doch wirklich mit einigen Line-up Changes zu kämpfen.
Anthrax - Among the Living
Wenn es um die “Big Four” geht, werden Anthrax gerne als die etwas unkonventionellere Band wahrgenommen und genau das hört man auch auf Among The Living von 1987. Nach den noch etwas roheren Vorgängern Fistful Of Metal (1984) und Spreading The Disease (1985) gelang der Band hier der große Wurf, denn es wurde eingängiger und deutlich grooviger. Vor allem die markante Stimme von Joey Belladonna und die präzisen, oft fast schon “dancy” Riffs machten das Album zu einem echten Gegenentwurf zu den düsteren Klangwelten der anderen drei Acts der “Big Four”. Among The Living festigte den Platz der Band in der Thrash-Elite und gehört bis heute zu den zugänglichsten – und gleichzeitig prägendsten – Genre-Veröffentlichungen.
Exodus - Bonded By Blood
Exodus brachten 1985 ihr Debütalbum Bonded By Blood unter die Leute - und das schlug sofort ein wie eine Bombe. Fertig aufgenommen war die Scheibe bereits 1984, wurde jedoch erst ein Jahr später veröffentlicht, da der Titel eigentlich A Lesson In Violence heißen sollte, man jedoch keine kreative Idee für das Cover-Artwork hatte, die dem Label gefiel. Die Scheibe gehört somit noch zu den frühen Werken des Thrash und gilt heute als eines der einflussreichsten Werke auf das Genre. Fun Fact: Der erst deutlich später erschienen Track “Impaler” (2004) war eigentlich bereits für das Erstlingswerk gedacht, doch Kirk Hammett, der erst bei Exodus spielte und 1983 zu Metallica wechselte, nahm das Gitarrenriff mit und verwendete s für den Metallica-Song “Trapped Under Ice”.
Testament - The Legacy
Testament schickten sich in zweiter Riege 1987 mit ihrem Debüt The Legacy an, die nächste Stufe im Thrash zu zünden. Und das gelang eindrucksvoll. Die Platte kombinierte die Aggression des Genres mit einem erstaunlich hohen Maß an Melodie und technischer Finesse. Allen voran Gitarrist Alex Skolnick setzte mit seinen virtuosen Leads neue Maßstäbe, während Chuck Billy am Mikro eine Mischung aus klassischen Metal-Vocals und rotziger Thrash-Attitüde ablieferte. The Legacy gilt heute als eines der stärksten Debüts im Thrash Metal und markiert den Moment, in dem die “zweite Reihe” begann, ernsthaft Druck auf die Genre-Spitze auszuüben. Ein Zeichen dafür, wie schnell und dynamisch sich die Szene damals weiterentwickelte.
Auch wenn der große Boom des Thrash Metal klar in den 80ern verortet ist, hat das Genre bis heute nichts von seiner Schlagkraft verloren. Sodom, Kreator oder Sepultura haben in zweiter Riege die Brücke geschlagen und gemeinsam mit den “Urvätern” den Sound in die Neuzeit getragen. Spätestens seit den 2000ern erlebt Thrash immer wieder kleinere Revivals, bei denen sowohl alte Größen als auch neue Bands frischen Wind reinbringen. Acts wie Power Trip, Municipal Waste, Havok oder Warbringer schaffen es, die Thrash-Attitüde auch in die Gegenwart zu bringen.
40 Jahre nach Master Of Puppets steht also fest: Thrash Metal ist längst mehr als nur ein Relikt aus einer anderen Zeit, sondern ein lebendiges, sich ständig weiterentwickelndes Genre, das auch heute noch neue Generationen von Bands und Fans begeistert.