Bild: Iowa Album Cover
Slipknot gehören zum Metal wie kaum eine andere Band ihrer Generation. Doch selbst innerhalb der ohnehin extremen Diskografie der Maskenkombo nimmt ein Album eine ganz besondere Stellung ein: Iowa. Am 28. August 2001 veröffentlicht, wird die Platte in diesem Jahr 25 Jahre alt. Und obwohl seitdem ein Vierteljahrhundert vergangen ist, hat sich an der Wirkung des Albums erstaunlich wenig verändert. Iowa klingt noch immer wütend, düster, unbequem und intensiv und trifft damit noch immer den Nerv verschiedenster Generationen.

Dabei waren die Voraussetzungen für das zweite Studioalbum der Band um Frontmann Corey Taylor alles andere als entspannt. Nach dem riesigen Erfolg ihres selbstbetitelten Debüts von 1999 waren Slipknot plötzlich vom Geheimtipp aus dem US-Bundesstaat Iowa zu einer der meistdiskutierten Bands der Heavy Music-Szene geworden. Die Erwartungen an den Nachfolger waren entsprechend hoch. Gleichzeitig hatte die Band kaum Zeit, diesen Erfolg überhaupt zu verarbeiten. Das Ergebnis? Ein Album, das nicht versucht, angenehmer oder zugänglicher zu werden, sondern stattdessen noch eine Schippe drauflegt.
Ein Album aus einer denkbar schlechten Phase
Schon die Entstehung von Iowa war von Spannungen geprägt. Die Bandmitglieder waren nach der intensiven Tour zum Debüt erschöpft, intern brodelte es und auch persönliche Probleme spielten eine große Rolle. Produzent Ross Robinson, der bereits das Debüt betreut hatte, beschrieb die damalige Situation Jahre später als eine Phase, in der Slipknot sogar über eine Trennung gesprochen hätten.
Eine Stimmung, die man der Platte durchaus anhöre, denn Iowa ist kein Album, das seine Hörer sanft an die Hand nimmt. Ganz im Gegenteil. Songs wie “People = Shit”, “Disasterpiece” oder “The Heretic Anthem” wirken wie ein musikalischer Kontrollverlust, der trotzdem bis ins kleinste Detail arrangiert ist. Slipknot kombinieren Nu Metal mit Einflüssen aus Death Metal, Thrash Metal und Hardcore und lassen dabei deutlich weniger Raum für die Hip-Hop-Elemente des Debüts.
Auch die Produktion trägt ihren Teil dazu bei. Ross Robinson gilt als einer der einflussreichsten Musikproduzenten im Metal. Die Zusammenarbeit mit Bands wie Slipknot, Korn, Limp Bizkit und mehr hat ihm den Beinamen “The Godfather Of Nu Metal” eingebracht. Sein Einfluss hat auch Iowa geprägt. Der Sound der Platte ist massiv, dicht und gleichzeitig unangenehm direkt. Selbst die fast schon grotesken Geschichten aus den Aufnahmesessions passen zu diesem Gesamtbild. Robinson selbst arbeitete während der Produktion trotz eines gebrochenen Rückens weiter, während die Band in einer ohnehin äußerst angespannten Situation ihre Songs aufnahm.
Wut, Selbsthass und ganz viel Dunkelheit
Thematisch geht Iowa noch tiefer als der Vorgänger. Corey Taylor verarbeitet darin Wut, Ablehnung, Selbstzweifel, Ekel und psychische Ausnahmezustände. Vieles wirkt nicht wie eine klassische Songgeschichte, sondern eher wie ein direkter Blick in einen Kopf, in dem gerade ziemlich viel schiefläuft. Eine Emotionalität, die heute noch nachwirkt und die Platte daher immer noch so relevant macht.
Und dann ist da noch der Titelsong. Mit mehr als 15 Minuten Laufzeit ist “Iowa” nicht nur das längste Stück der Platte, sondern auch eines der ungewöhnlichsten Stücke in der gesamten Slipknot-Diskografie. Statt dem Hörer zum Abschluss noch einmal einen klassischen Metal-Hit zu servieren, zieht die Band die Spannung immer weiter in die Länge. Ein ziemlich radikaler Abschluss für ein ohnehin radikales Album.
Was danach kam
Interessant wird Iowa vor allem im Rückblick. Denn schon das nächste Studioalbum Vol. 3: The Subliminal Verses (2004) zeigte, dass Slipknot nicht für immer in diesem Sound gefangen bleiben wollten. Die Band spielte mit neuen Elementen und wurde experimentierfreudiger, melodischer und dadurch musikalisch auch deutlich zugänglicher. “Duality” oder “Vermilion” zeigen eine andere Seite der Gruppe, ohne dass die Härte komplett verschwunden wäre.
In den folgenden Jahren ging diese Entwicklung weiter. All Hope Is Gone (2008) verband die aggressive Seite der Band mit klassischen Metal-Elementen, .5: The Gray Chapter (2014) musste nach dem Tod von Bassist Paul Gray mit einer veränderten Banddynamik umgehen und We Are Not Your Kind (2019) zeigte Slipknot erneut von einer düsteren, atmosphärischen Seite. Zuletzt folgte The End, So Far (2022), das wiederum verschiedene Facetten der Band zusammenbrachte.
Trotz all dieser Entwicklungen blieb Iowa dabei immer der Referenzpunkt. Vielleicht gerade deshalb, weil die Platte einen Moment konserviert, den man nicht künstlich wiederholen kann: eine junge Band auf dem Höhepunkt ihrer ersten großen Welle, die mit enormem Druck umgehen musste und daraus eines der extremsten Alben ihrer Karriere machte.
25 Jahre später
Dass Iowa heute noch eine solche Bedeutung besitzt, liegt deshalb nicht nur an der Musik selbst. Die Platte steht für eine bestimmte Phase von Slipknot und für eine Zeit, in der die Band noch komplett gegen alles anzukämpfen schien. Masken, Jumpsuits, neun Musiker, brutale Live-Shows und ein Sound, der sich jeder klassischen Genre-Schublade entzog: Slipknot machten aus ihrer Andersartigkeit eine eigene Identität.
Genau das hat Spuren hinterlassen. Zahlreiche jüngere Bands greifen heute auf Elemente zurück, die Slipknot vor 25 Jahren etabliert haben: von extremer Härte und elektronischen Sounds bis hin zu Masken, visuellen Konzepten und maximaler emotionaler Direktheit. Und trotzdem klingt Iowa nicht wie ein Album, das kopiert werden kann. Dafür ist es zu sehr an diesen einen Moment, diese Band und diese ganz spezielle Form von Chaos gebunden.
25 Jahre später ist Iowa deshalb nicht einfach nur ein Klassiker des Nu Metal. Es ist ein Zeitdokument, ein Stück Metal-Geschichte und wahrscheinlich das eindringlichste Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Band ihre dunkelsten Seiten nicht versteckt, sondern sie komplett nach außen trägt. Und genau deshalb funktioniert die Platte auch 2026 noch.